KURIER 23.02. 1986

Zitat:
"Berlinale: Überragender Publikumserfolg für Krimiparodie von Niki List"

Lachorkan in „Müllers Büro“

Casablanca kann man vergessen. Wozu so weit reisen, wenn „Müllers Büro“ gleich um die Ecke liegt? Dort heißt die schöne Heldin auch Ingrid Bergmann, und Bogart-Typen gibt es sogar mehrere. Über der Detektei „Müllers Büro“ kreisen die Malteser Falken wie Aasgeier, werden aber durch lauten Gesang vertrieben…

Denn in „Müllers Büro“ haben sogar böse Menschen und nur Leichen keine Lieder – aber selbst da kann man sich nicht sicher sein. „Müllers Büro“ – die musikalische Detektivfilmparodie des Wiener Filmemachers Niki List läuft bei der Berlinale zwar außer Konkurrenz, dafür aber konkurrenzlos.

Nur wenige Tage nach der Welt-Uraufführung in Berlin gab es bereits Fans, die Lists schwarze Krimioperette mehrmals gesehen haben. Schon wird „Müllers Büro“ als Kultfilm gehandelt. International gehandelt. Anders als die typischen Festivalfilme, mit welchen Österreicher immer wieder Preise, aber selten Geld machen, ist „Müllers Büro“ ein Publikumsliebling. Und vergnügt nicht nur Krimifans und Cineasten, die da mit zahllosen parodistischen Zitaten berühmter Thrillerszenen der Filmgeschichte Versteck spielen können.

KRONEN ZEITUNG, Insider, 09.02.1986

Lachorkan in „Müllers Büro“

Der junge österreichische Filmemacher Niki List liegt mit „Müllers Büro“, seinem dritten großen Werk, bereits im Endspurt.

Niki List, 29, Autor, Regisseur und Nebendarsteller der Gaunerparodie „Müllers Büro“, arbeitet derzeit wie im Fieber, rund 16 Stunden täglich. Schließlich soll sein jüngster Film bereits nächsten Samstag bei den Berliner Filmfestspielen gezeigt werden. Eine große Ehre für den jungen Künstler – ist doch dieser Krimi nicht einmal noch in Österreich gelaufen. Bei uns hat er erst am 28. Februar Premiere.

„ Ich weiß auch nicht warum, offenbar hab ich schon so einen tollen Ruf“. Niki sagt´s zwar augenzwinkernd, aber ein Fünkchen Wahrheit ist dabei. Ist doch immerhin sein 1983 gedrehter Streifen „Malaria“ nicht nur in Österreich zu einem Jugendkultfilm geworden, sondern konnte auch die deutschen und Schweizer Szeneherzen erobern. Und der Film „Mama lustig“ aus dem Jahr 1984 lief sogar im Fernsehen.

Also ist´s nicht weiter erstaunlich, dass die Festivalherren hellhörig wurden, als sie von List´s neuem Projekt erfuhren und schon vom Rohschnitt so begeistert waren, dass sie ihn fix ins Programm einplanten. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie auch die Handlung von A bis Z mitbekommen haben. Ist aber auch gar nicht so wichtig!“ Zum Glück! Denn die Story ist höchst kompliziert verwickelt. Da stört´s auch nicht weiter, dass völlig unmotiviert immer wieder eine Schöne ins Bild kommt und nach der Zeit fragt, Bilder zu singen anfangen (noch) Lebende reihenweise umgebracht werden und sogar den Sterbenden die witzigsten Texte einfallen: Bye-bye Lebenslust, mein Gott das war ein Frust, ich glaub, ich werd´ schon steif!“ Mit diesen Worten untermalt beispielsweise ein Todgeweihter sein Leid. Was soll´s? Auf die Unterhaltung kommt´s an! Nicht auf eine logisch aufgebaute Story!

Und das ist dem Niki List mit zahlreichen Gags und einer spritzigen Musik, die Ernie Seuberth, 27, komponierte und produzierte, bestens geglückt.

Musikalisch reicht der Boden vom Tango über Schlager der fünfziger Jahre bis zum Discosound. „Da ist diesmal wirklich für jeden Geschmack etwas dabei“, gibt sich List siegessicher. Einzige erforderliche Bedingung für den Konsumenten: Ein Schuß Humor ist mitzubringen!

TAZ, Berlin

Volle Abräume – Müllers Büro von Niki List

Zu spät zu kommen zu einem Film ist ab und an bei Filmfestspielen unmöglich, dennoch ein besseres Zeichen, als vorher zu gehen. Als ich in diese österreichische Klamotte stieß, waren Müller und sein Kumpel schon in die gröbsten Verstrickungen mit der Unterwelt verwickelt, wenn sie nicht gerade mit einer Frau im Bett lagen. Im Publikum herrschte jedenfalls schon eine Bombenstimmung, das Grölen drang bis ins Foyer. Wenn es hier einen Publikumspreis gäbe, „Müllers Büro“ gehörte zu den Favoriten.

Weil – und hier schlägt wieder das Gewissen des Kritikers – Niki List einen Streif- und Raubzug durch die Filmgeschichte unternommen hat, auf dem keine Anleihe bei den besten und den schlechtesten Filmen der fünfziger Jahre zu schade war: Alle Klischees, die jemals im Kino zu sehen waren, erfahren hier noch einmal ihre Quadratur. Der Privatdetektiv, der Frauenheld, Action,- Musical und Rockmusikfilme werden auf die Schippe genommen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig erweitern, so feiert auch die Film-im Film-Ebene neue Urstände. Wenn man als Regisseur nicht ganz dumm ist, muß das einfach funktionieren. Niki List ist sogar ganz clever, weil er respektlos auf die Karte des Vergnügens setzt. Mal fühlt man sich in den Musikfilm der 60er Jahre mit Peter Alexander versetzt, dann wird die Rocky Horror Picture Show hochgenommen und es findet sich auch ein Plätzchen für die Klassiker – Fritz Lang lässt grüssen.

Wer sich also eineinhalb Stunden köstlichst auf Kosten anderer amüsieren will, wird hier bestens bedient. Natürlich wird dabei das Kino nicht neu erfunden, doch die mitunter sehr lustig kombinierten Versatzstücke alles bisher Gewesenen sind allemal unterhaltsamer als Vieles von dem gequälten Gefilme, das angeblich den Ausweg aus der Misere weisen soll. Wenn nichts mehr geht, legt Müller los. Das ist leider ebenso lustig wie traurig anzusehen.

TAGESSPIEGEL BERLIN

Eine herrliche, parodistische Spielerei ist das, die nur manchmal ein wenig subtiler hätte ausfallen können. Der Wiener Regisseur und Drehbuchautor Niki List treibt seinen Schabernack mit den bekanntesten Detektiv-Figuren der Filmgeschichte, mit den Topoi des Film Noir, aber auch mit ganz gewöhnlichen Seifenopern. Die smart-männliche Reinkarnation von Sam Spade, Philip Marlowe & Co heißt hier schlicht Max Müller. Der hat auch ein Büro und eine recht fesche Sekretärin dazu, das Fräulein Schick.

Solange der Schnüffler Müller keine Aufträge bekommt und nur die endgültig allerletzten Whiskey-Flaschen leert, singt Fräulein Schick mit treuherzigem Augenaufschlag „Weil ich so sexy bin“ oder aber „Männer sind wie Marzipan“.

Max Müller selbst und sein deutschen TV-Serien entlehnter Assistent Andy sind allerdings nicht aus Marzipan. Das stellt sich heraus, als die beiden von einer vermögenden Klientin namens Ingrid Bergman einen dicken Auftrag erhalten (Barbara Rudnik sah man nie geheimnisvoller). Mehr zu verraten, wäre gemein.

Das Ende kommt im übrigen sowieso anders, als es die Zuschauer und auch der Regisseur selbst vorausgeahnt hatten (Österreich, am 23. Februar 23.30 im Atelier Zoo). Jochen Metzner

WIENER, März 1986

Nikis Film

Freuen wir uns auf „Müllers Büro“, den neuen Film von „Malaria“-Regisseur Niki List. Freuen wir uns auf ein fröhliches Gangster-Musical, in dem sich Gangster zu Rap-Musik reihenweise umlegen, in dem Hammett, Chandler und Howard Hawks zitiert werden, und in dem Barbara Rudnik als Lauren-Bacall-Imitation das Liebesleben von Detektiv Müller auf Vordermann bringt. Neugierig geworden? Okay, hier die Facts:

Titel ist als „Müllers Büro“ und Max Müller ein Privatdetektiv, die Geschichte so einfach und klar wie die in „Big Sleep“, die Musik – sie stammt von den Wiener Wundern, Freddy Gigerle, Peter Janda und Ernie Seuberth (Platte erscheint zur Premiere) – reicht von Rock über New Wave bis Chansons und Schlager im Stil der 50-er Jahre und es spielen Christian Schmidt (den Privat Eye), Andreas Vitasek (seinen Freund Larry), Barbara Rudnik und der Wiener Kabarettist I. Stangl. Premiere ist am 27. Februar. Unser Kinotipp für den Monat März also: Niki Lists „Müllers Büro“ anschauen.

Pressestimmen aus dem In- und Ausland zum erfolgreichten österreichischen Film des letzen Jahrtausends.